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Hochintensives Intervalltraining (HIIT) bei Multipler Sklerose

Hintergrund

Chronische Entzündungen im Gehirn führen zum Abbau der Isolierschicht bestimmter Nervenbahnen und somit zur Verschlechterung von motorischen und kognitiven Funktionen bei MS-Betroffenen. Neue Studien haben jedoch gezeigt, dass intensives Training bei Menschen mit MS das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen kann.

Dabei kommt der Regelmässigkeit eine tragende Rolle zu: Entscheidend auf lange Sicht ist, dass die Betroffenen das Ziel verfolgen, einen bestimmten Referenzwert in ihrer Fitness zu halten: den eines gesunden, durchschnittlich fitten Menschen. Denn ihr Organismus kann schwächende Einflüsse, wie eine Erkältung oder längere Trainingspausen, weniger gut kompensieren.

Aktuelles Projekt: HIIT wirkt sich schützend auf das Gehirn aus

In der Studie untersuchten wir, wie sich ein hochintensives Intervalltraining (HIIT) auf das Entzündungsgeschehen von MS-Patientinnen und -Patienten auswirkt. In der Studie konnte nachgewiesen werden, dass die Werte, die höchstwahrscheinlich chronische Entzündungen und chronische Müdigkeit hervorrufen, mit einem hochintensiven Intervalltraining deutlich reduziert werden.

Es wurden 69 Personen mit MS nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe absolvierte 3 Mal pro Woche für 15 Minuten ein hochintensives Intervalltraining auf dem Ergometer. Dabei radelten die Probandinnen und Probanden jeweils 1 Minute bei 90 bis 100 Prozent ihrer individuellen Höchstleistung und machten dann 3 Minuten Pause. Die andere Gruppe absolvierte das bewährte Valenser Training: täglich 30 Minuten bei ca. 65 Prozent der individuellen Höchstleistung.

Um die Vergleichbarkeit der Daten sicherzustellen, wurden nur Werte verwendet, die objektiv messbar sind. Beispielsweise wurden nur Personen in die Studie aufgenommen, die einen EDSS-Wert zwischen 3.0 und 6.0 hatten, also ‹moderat› eingeschränkt waren.

Forschungsteam

 

Rehazentrum Valens:
Dr. Jens Bansi (PhD), Dr. Jan Kool,
Dr. Dr. Roman Gonzenbach

Deutsche Sporthochschule Köln:
Annette Rademacher, Sebastian Proschinger, Dr. Andre Knoop,
Univ.-Prof. Dr. Mario Thevis,
Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Bloch

Technische Universität Dortmund:
Dr. Niklas Joisten, Dr. Alexander Schenk, David Walzik,
Prof. Dr. Dr. Philipp Zimmer

Universitätsspital Köln:
PD Dr. Clemens Warnke

Joh.-Gutenberg-Universität Mainz:
Falk Steffen, Prof. Dr. Stefan Bittner

Ergebnisse

Die in Köln durchgeführten Blutanalysen erbrachten den Nachweis, dass sich die Konzentration der Neurofilamente nach dem hochintensiven Intervalltraining jeweils deutlich stärker abgesenkt hatte als nach dem ‹normalen› Training.

In der Studie wurde auch der Aufbau von Kynurenin untersucht. Bei MS-Betroffenen hat sich gezeigt, dass es durch die Entzündungen auch zu einer Überproduktion von Kynurenin und Tryptophan kommt.

Bei Probandinnen und Probanden, die das hochintensive Intervalltraining absolviert haben, verschob sich diese Zusammensetzung hin zu einer neuroprotektiven Wirkweise: Die Kynurenin- und Tryptophan-Konzentration nahm ab.

Diese Ergebnisse zeigen, dass sich eine Abnahme der Neurofilamente sowie die positiven Veränderungen im Kyurenin-Pfad und pNFL-Spiegel schützend auf das Gehirn auswirkt, weil sich der Abbau der Isolierschicht von Nervenbahnen verlangsamt.

 

Über die Studie

  • Die Studie trägt den Titel Exercise Diminishes Plasma Neurofilament Light Chain and Reroutes the Kynurenine Pathway in Multiple Sclerosis und ist abrufbar unter www.pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33782190.
  • Sie wurde 2021 in der Mai-Ausgabe des renommierten neurologischen Fachmagazins «Neurology – Neuroimmunology & Neuroinflammation» veröffentlicht. «Neurology» hat einen Impactwert von 7,7 – und gehört damit zu den renommiertesten, das heisst meistzitierten Fachmagazinen weltweit.
  • Bericht der International Society of Tryptophan Research über die Studie (Mai-Highlight 2021): www.istry.org/news/featured-articles

Finanzierung

 

Diese Studie wurde finanziert von der schweizerischen MS Gesellschaft (SMSG), der Stiftung Grenzen überschreiten, der Blumenau- Léonie Hartmann-Stiftung, der Stiftung Ergotherapie und den Kliniken-Valens.