Zurück ins Leben – mit ganzer Kraft

Eveline Hüsing ist eine Kämpfernatur. Ihrer Willenskraft, ihrer Ausdauer und ihrer Familie verdankt sie es, dass sie nach einer inoperablen Hirnblutung noch am Leben ist – und dass sie heute, nach mehr als acht Jahren, ihren Alltag wieder meistert. Doch bis es so weit war, stiess die gebürtige Düsseldorferin immer wieder an Grenzen.

Frau Hüsings Zustand war nach dem Ereignis im Februar 2011 äusserst kritisch, doch ihre Familie habe sie zurückgeholt, wie die fünffache Mutter heute sagt. Sie gaben sie nicht auf, sprachen und übten jeden Tag mit ihr. Nur langsam ging es aufwärts. Nach vier Wochen im Akutspital und zehn Wochen in einer Rehaklinik hatte Frau Hüsing in mühsamer Kleinarbeit das Essen und Lesen wieder erlernt, und ihr anfangs eingeschränktes Gesichtsfeld hatte sich normalisiert. Doch gehen konnte sie noch nicht. Und wegen ihrer Halbseitenlähmung konnte sie den linken Arm nicht mehr benutzen. Durch die tägliche ambulante Physiotherapie und viel selbständiges Training waren nach einigen Wochen erste zaghafte Gehversuche möglich. Der erwünschte «grosse» Reha-Erfolg blieb aber zunächst aus.

Erst ein Sturz in der Dusche Ende 2018 und die Neubewertung ihrer Situation durch den konsultierten Arzt brachten die Wende. Frau Hüsing kam im Januar 2019 zur Rehabilitation nach Valens. Hier schöpfte sie neue Hoffnung, konnte ihre Ziele kommunizieren und sofort mit einem umfangreichen Trainingsprogramm starten. Sie hatte «das Gefühl, auf Augenhöhe zu agieren.» Frau Hüsing blickt zufrieden zurück: «Bewegungsmuster, die ich mir neu aneignen musste, wurden mir verständlich erklärt und vorgezeigt. Wenn ich merkte, dass ich an meine Grenzen stosse, lächelte mich die Therapeutin aufmunternd an und ich strengte mich umso mehr an. Ich wollte doch diese nette, geduldige Person nicht enttäuschen. Und jeder Fortschritt wurde freudig begrüsst. Wir hatten ihn ja gemeinsam erarbeitet.»

Dann «das erste Gehen ohne Stock zum WC in Begleitung meines Mannes. Nach der langen Zeit hatte ich fast nicht zu hoffen gewagt, dieses Ziel jemals zu erreichen. Wir arbeiteten sehr effizient am Körpergleichgewicht, auf dem neuen Laufband habe ich unter Anleitung auf spielerische Art die Veränderung der Schrittlänge geübt.» Die Freude war gross und Frau Hüsing erfuhr einen riesigen Motivationsschub. Verstärkend wirkte, wie sie nachdrücklich betont, der Besuch der Kreativ- und Holzwerkstatt: «Es tut gut, ‹handfeste› Ergebnisse vorweisen zu können. Ich wollte kein Alltagstraining im herkömmlichen Sinn, wo mir nur noch deutlicher meine Defizite vor Augen geführt werden. Denn früher habe ich problemlos einen Sieben-Personen-Haushalt geführt, und nun soll ich mit einer Hand Wäsche falten? Nein danke.» Frau Hüsings Weg zurück in den Alltag geht weiter – sie arbeitet mit viel positiver Energie an ihren Zielen.