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Rehabilitation bei Multipler Sklerose

Hintergrund

Reduzierte Ausdauer und Müdigkeit behindern viele Personen mit Multipler Sklerose. Über viele Jahre war intensives Training bei Multipler Sklerose (MS) umstritten. Es wurde angenommen, dass intensives Training die Symptome verschlimmert und den Krankheitsverlauf negativ beeinflusst. Auch die Behandlung von Müdigkeit stellt eine Herausforderung dar.

Intensives Training hat sich in unseren bisherigen randomisierten kontrollierten Studien als sicher und effektiv erwiesen und ist zu einem Eckpfeiler innerhalb der MS-Rehabilitation avanciert. Ein intensives, an die individuellen Belastungsgrenzen angepasstes Trainingsprogramm reduziert die Symptome der Multiplen Sklerose. Veränderungen in Blut-Laborwerten nach dreiwöchigem Training, im Vergleich zur Kontrollgruppe, geben starke Hinweise auf eine anti-entzündliche Wirkung körperlicher Aktivität. Langzeiteffekte untersuchen wir erstmals in der aktuellen Studie.

Energiemanagement Schulung ist eine Verhaltensorientierte Behandlung. Personen mit Multipler Sklerose lernen, mit ihrer verfügbaren Energie besser umzugehen, um die Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität durch Müdigkeit zu reduzieren. In einer randomisierten kontrollierten Studie zeigten wir, dass das Energiemanagement im Vergleich zu Entspannungstherapie nach Jakobson die gesundheitsbezogene Lebensqualität bis vier Monate nach der Behandlung deutlich verbesserte. In der aktuellen Studie wird erstmals die Effektivität der Energiemanagement-Schulung, kombiniert mit hoch-intensivem Intervalltraining, untersucht.

Bisherige Studien wurden finanziert von der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft, der Ergotherapiestiftung Zürich und dem ErgotherapeutInnen Verband Schweiz.

Aktuelles Projekt: «Auswirkung der Reha auf den Alltag bei Multipler Sklerose»

Personen mit multipler Sklerose leiden oft an einer Gangstörung. Das Gehen ist anstrengend, unsicher und langsam. Während der Rehabilitation arbeiten spezialisierte und untereinander abgestimmte Therapeuten, Ärzte und Pflegefachkräfte mit verschiedenen Methoden (zum Beispiel mittels Medikamenteneinstellung, Spastikbehandlung, Ausdauertraining, Kräftigung, Gleichgewichtstraining, Orthesenversorgung, Hilfsmittelanpassung, etc.) über mehrere Wochen zusammen mit den Betroffenen daran, die Gangstörung und andere Funktionseinschränkungen zu verbessern.

Mit verschiedenen Untersuchungen bei Eintritt und Austritt messen wir die Verbesserung der Gehfähigkeit, um das Ausmass des Therapieeffektes darstellen zu können. Zusätzlich untersuchen wir, ob und wie sich das Verhalten im Alltag nach der Reha durch die verbesserte Gehfähigkeit verändert. Dazu verwenden wir kleine, tragbare Bewegungs-Messgeräte, welche einfach am Schuh befestigt werden können.

Diese Messgeräte können aufzeichnen, wie gut oder wie schnell jemand geht, oder sie können messen, wie weit die täglich zurückgelegten Strecken sind. Konkret wollen wir mit dieser Studie herausfinden, ob unsere Patientinnen und Patienten nach der Rückkehr in ihren Alltag weitere Strecken zurücklegen, mehr Schritte machen oder insgesamt aktiver sind als vor der Rehabilitation. Insgesamt sollen 50 Patienten in die Studie eingeschlossen werden.

Tragbare Sensoren, an den Schuhen fixiert
Tragbare Sensoren, an den Schuhen fixiert

 

Tragbarer Sensor im Grössenvergleich
Tragbarer Sensor im Grössenvergleich

 

Vorläufige Resultate
(basierend auf den ersten 22 eingeschlossenen Patientinnen und Patienten)

Nach der Reha ist …
… die Ganggeschwindigkeit im 2-Minuten-Gehtest um mehr als 25 % verbessert
… die motorische Müdigkeit (mit einem Fragebogen erfasst) vermindert
… das Gehverhalten im Alltag um 15 % verbessert (mit einem Fragebogen erfasst)
… machen die Betroffenen mehr Schritte pro Tag
… neigen die Betroffenen dazu, aktiver zu sein und mehr Zeit mit Gehen zu verbringen

Referenzen folgen.

Forschungsteam & Finanzierung

 

Rehazentrum Valens:
Dr. Roman Gonzenbach, Roger April, Ramona Sylvester, Wolfgang Schallert,
Dr. Jan Kool

 

Finanziert von der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft

Aktuelles Projekt: «Training und Energiemanagement»

Momentan führen wir eine randomisierte kontrollierte Studie durch. In die Studie werden über 100 Personen mit Multipler Sklerose eingeschlossen.

Eine Gruppe wird mit einem moderaten Ausdauertraining und Entspannungstherapie nach Jakobson behandelt, die andere Gruppe führt ein hoch-intensives Intervalltraining durch, in Kombination mit einer Patientenschulung zur Verbesserung des Energiemanagements. Die Behandlung wird im Rahmen der stationären Rehabilitation in Valens durchgeführt.

Der primäre Endpunkt ist die Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität vier Monate nach Einschluss.

Sekundäre Endpunkte sind Entzündungsindikatoren in Blutproben (Matrix Metalloproteinase-2, Tryptophan, Kynurenin, Kynureninsäure, Interferon-gamma, Interleukin-6 und Enzyme-linked immuno-sorbent assay); maximale Sauerstoffaufnahme VO2max; maximale Herzfrequenz; kognitive und motorische Müdigkeit; Selbstwirksamkeit im Umgang mit Müdigkeit.

Forschungsteam & Finanzierung

 

Rehazentrum Valens:
Dr. Jan Kool, Dr. Jens Bansi, Nadine Patt, Andrea Weise, Dr. Roman Gonzenbach
SUPSI Fachhochschule Tessin:
Ruth Hersche, Dr. Marco Barbero
Universität Bern:
Prof. Dr. Claudio Nigg,
PD Dr. Christian Kamm
Deutsche Sporthochschule Köln:
Dr. Dr. Philipp Zimmer

 

Finanziert von den Kliniken Valens und der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft

Aktuelles Projekt: «Eine App hilft im Umgang mit Müdigkeit und Aktivität»

In Kooperation mit der Oulu Universität in Finnland untersuchen wir die Möglichkeiten, Personen mit Multipler Sklerose mit Hilfe einer App dabei zu unterstützen, mit ihrer Müdigkeit umzugehen und aktiv zu sein.

Referenzen:

  • Bansi J, Bloch W, Gamper U and Kesselring J. Training in MS: influence of two different endurance training protocols (aquatic versus overland) on cytokine and neurotrophin concentrations during three week randomized controlled trial. MSJ 2013(19);5:613-621.
  • Bansi J, Bloch W, Gamper U, Riedel S, Kesselring J. Endurance training in MS: short-term immune responses and their relation to cardiorespiratory fitness, health-related quality of life, and fatigue. J Neurol. 2013;260(12):2993-3001. doi:10.1007/s00415-013-7091-z
  • Bansi J, Koliamitra C, Bloch W, Joisten N, Schenk A, Wattson M, Kool J, Langdon D, Dalgas U, Kesselring J and Zimmer P. Persons with secondary progressive and relapsing remitting multiple sclerosis reveal different responses of tryptophan metabolism to acute endurance exercise and training. JNI 2018(314); 101-105.
  • Giunti G, Rivera-Romero O, Kool J, et al. Evaluation of More Stamina, a Mobile App for Fatigue Management in Persons with Multiple Sclerosis: Protocol for a Feasibility, Acceptability, and Usability Study. JMIR Res Protoc. 2020;9(8):e18196. Published 2020 Aug 4. doi:10.2196/18196
  • Giunti G, Kool J, Rivera Romero O, Dorronzoro Zubiete E. Exploring the Specific Needs of Persons with Multiple Sclerosis for mHealth Solutions for Physical Activity: Mixed-Methods Study. JMIR Mhealth Uhealth. 2018;6(2):e37. Published 2018 Feb 9. doi:10.2196/mhealth.8996
  • Hersche R, Weise A, Michel G, et al. Three-week inpatient energy management education (IEME) for persons with multiple sclerosis-related fatigue: Feasibility of a randomized clinical trial. Mult Scler Relat Disord. 2019;35:26-33. doi:10.1016/j.msard.2019.06.034
  • Hersche R, Weise A, Michel G, Kesselring J, Barbero M, Kool J. Development and Preliminary Evaluation of a 3-Week Inpatient Energy Management Education Program for People with Multiple Sclerosis-Related Fatigue. Int J MS Care. 2019;21(6):265-274. doi:10.7224/1537-2073.2018-058
  • Joisten N, Rademacher A, Bloch W, Schenk A, Oberste M, Dalgas U, Langdon D, Caminada D, Purde MT, Gonzenbach R, Kool J, Zimmer P and Bansi J. Influence of different rehabilitative aerobic exercise programs on (anti-) inflammatory immune signalling, cognitive and functional capacity in persons with MS – study protocol of a randomized controlled trial. BMC Neurol 2019;19(37):1-9.
  • Madsen LT, Dalgas U, Hvid LG, Bansi J. A cross-sectional study on the relationship between cardiorespiratory fitness, disease severity and walking speed in persons with Multiple Sclerosis. Mult Scler Relat Disord. 2019;29:35-40. doi:10.1016/j.msard.2019.01.024
  • Patt N, Bansi J, Kool J, Gonzenbach R. High intensity interval training and energy management education, compared with standard training and progressive muscle relaxation, to improve quality of life in persons with multiple sclerosis, a two-armed randomized controlled superiority trial with six months’ follow-up Registration at ClinTrial.gov: NCT04356248:
  • Sadeghi Bahmani D, Gonzenbach R, Motl RW, et al. Better Objective Sleep Was Associated with Better Subjective Sleep and Physical Activity; Results from an Exploratory Study under Naturalistic Conditions among Persons with Multiple Sclerosis. Int J Environ Res Public Health. 2020;17(10):3522. Published 2020 May 18. doi:10.3390/ijerph17103522
  • Zimmer P, Bloch W, Schenk A, Oberste M, Riedel S, Kool J, Langdon D, Dalgas U, Kesselring J and Bansi, J. High-intensity interval exercise improves cognitive performance and reduces matrix metalloproteinases-2 serum levels in persons with multiple sclerosis: A randomized controlled trial. MSJ 2018(12);1635-1645.

Forschungsteam & Finanzierung

 

Rehazentrum Valens:
Dr. Jan Kool, Dr. Jens Bansi,
Nadine Patt, Dr. Roman Gonzenbach
Oulo Universität Finnland:
Dr. Guido Giunti

 

Finanziert von den Kliniken Valens und der Oulo Universität Finnland